Herr Heckmann, Herr Manzey,

eine kleine Geschichte

05.11. - 18.11.2011

Ich kenne Herrn Manzey seit nunmehr fast zwölf Jahren. Trotz all seiner Beeinträchtigungen zeigte er immer wieder ein großes künstlerisches Talent. Über die Jahre  entstanden auf meine Anregung hin, viele Zeichnungen, Aquarelle, Bilder und Tonarbeiten.
Gerade seine Porträts waren geprägt von einer ganz eigenen unmittelbaren, intensiven  Annäherung an sein Gegenüber.
Über das Machen hinaus hatte Hr. Manzey kein weiteres Interesse an seiner Kunst.



Zuletzt befand sich ein Großteil der  Arbeiten, gesammelt in einer Mappe, in seinem Zimmer.
Eines Tages war sie verschwunden. Auf meine Frage wo sie wäre, sagte er nur lapidar „Wees ick nich, weg“.
Herr Manzey ist ein exzessiver Raucher, der notfalls alles raucht, auch seine Kunst.

Nachdem schon ein Großteil seiner Tonarbeiten aus Platzmangel entsorgt worden waren, kam wohl auch die Mappe in die Tonne, wegen Gesundheitsgefährdung und akuter Brandgefahr.
Es stellt sich die Frage, ob die Verantwortung für einen beeinträchtigten Menschen auch ein größeres Interesse an seinen hinterlassenen Lebensäußerungen  umfassen sollte.

Nachsatz
Für Nacht und Nebel habe ich noch einmal versucht mit Herrn Manzey künstlerisch zu arbeiten. Einige dieser Arbeiten sind hier zu sehen
Es zeigte sich, dass das alte Feuer erloschen ist.
Hr. Manzey ist ein alter und hinfälliger Mann, der nur noch seine Ruhe haben möchte.



Herr Cecotta, Herr Wilke
Im Gegensatz zu den Arbeiten von Herrn Manzey sind die Arbeiten auf Papier von Herrn Cecotta und Herrn Wilke, mit denen ich auch lange Jahre künstlerisch gearbeitet habe, noch vorhanden und sind entgegen der ursprünglichen Ankündigung zu NACHTUNDNEBEL Teil der Ausstellung.

Beide hatten ein ganz ausgesprochenes zeichnerisches Talent. Darüber hinaus fertigten sie, insbesondere Herr Cecotta, auch umfangreiche Arbeiten in Ton an.
Die Tonarbeiten von Herrn Cecotta wurden zur Gänze vernichtet, von Herrn Wilke ist im Rahmen dieser Ausstellung eine Arbeit zu sehen.
Beide sind mittlerweile verstorben.

 

Kinderzeichnungen
Ergänzend zu den hier ausgestellten Arbeiten beeinträchtigter Menschen sind zwei Kinderzeichnungen zu sehen.


Herr Heckmann
Herr Heckmann hat jahrelang mit den ausgestellten Künstlern gearbeitet. Von ihm sind ebenfalls zwei Arbeiten zu sehen. Insgesamt stellt diese Ausstellung die Frage: „Was ist normal?“
Eine hier von ihm gezeigte Arbeit schließt an den Dadaismus an, einer Kunstrichtung, die sich die Überschreitung der Grenzen der Normalität zum Programm gemacht hat.


Marius Heckmann